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Was ist ADS?

Um überhaupt über ein Leben mit ADS reden zu können, muss man wissen, was es ist. Um mitreden zu dürfen sollte man gewisse Details wissen. Es reicht eben nicht eine Diskussion über ADS zu führen, wenn man nur weiß, dass zappelige, aufmüpfige und unruhige Kinder ADS haben. Zumal gerade durch aktuell laufende Fernsehsendungen immer wieder gezeigt wird, dass der eigentliche Fehler doch nur an der mangelhaften Erziehung der unterbemittelten Eltern liegen kann.

Also muss jeder, der sich damit befassen will aufgeklärt werden.

Diese Frage lässt sich genauso einfach wie schwer erklären.

ADS ist eine Störung im Dopaminhaushaltes. Dieses dopaminerge System hat seine Hauptaufgabe in der Regulierung von diversen Sinneseindrücken, Emotionen und der Organisation von Handlungen. ADS ist angeboren. Niemand kann innerhalb seiner geschätzen 75 Lebensjahre an ADS erkranken. Entweder man hat es, oder man hat es nicht.

Somit wäre der einfache Teil erledigt. 

Im Schwierigem Teil erfährt man, dass ADS nicht nur durch eben dieses dopaminerge System beeinflusst wird, sondern auch durch verschiedene Situationen und Eindrücke, die man während des Lebens sammelt. ADS ist eine Krankheit, deren  Entwicklung unter anderem z.B. auch in der psychischen Entwicklung liegt. 

Im komplizierten Teil weiß man, dass eine einfache Störung eines banalen Hormons Ursache für einen langen Rattenschwanz an Schwierigkeiten und Problemen nach sich zieht. Kein Mensch mit ADS kann von sich behaupten innerhalb von 10 Minuten seine ganz spezifische Erkrangung erklären zu können oder andern Leuten Nahe zu bringen.

Zum Einen, weil es einem ADS'ler schier unmöglich ist ein organisiertes Gespräch mit einem vernünftigen Anfang, Verlauf und Ende zu führen. Zum Anderen, weil ADS eben komplex und somit für Außenstehende manchmal unverständlich ist.

Am einfachsten lässt es sich wohl bildlich erklären.

Man stelle sich ein großes Büro mit unglaublich vielen Türen und einem großen Tisch mit einer Sekretärin mittleren Alters vor. Die Sekretärin ist dafür zuständig eingehende Informationen zu katalogisieren und an den großen Boss (Das Gehirn) weiterzuleiten, damit der Boss in Ruhe auf bestimmte Eindrücke reagieren kann.

Bei einem gesunden Menschen sind diese Türen meist verschlossen. Wenn irgendeine Information oder ein Eindruck wahrgenommen wird, und sei es die Tatsache, dass der Tisch grün ist, geht diese Tür kurz auf und schließt sich sofort wieder. Die Sekretärin kann dann schnell und kontrolliert entscheiden, ob diese Information wichtig ist. Dann geht sie auf direktem Weg Förderband zum big Boss. Oder sie entscheidet, dass die Information unwichtig ist. Dann wandert sie ohne Umschweife direkt in den Speicher, der im Minutentakt gelehrt wird.

Bei einem Menschen mit ADS stehen die Türen ständig offen. Mit fatalen Folgen. Sämtliche Informationen, alle Eindrücke, die der offene, binokular sehende und intelligente Mensch auch ansatzweise wahrmnimmt, können ungehindert durchwandern. Man braucht noch nicht einmal zu klopfen und fragen, ob man eintreten darf, denn Tür steht ja schon offen. Die Sekretärin hält das an guten Tagen durch und kann mit Übung einiges Unvorstellbares erreichen. Aber sobald eine Information von mehr oder weniger wichtiger Bedeutung ankommt, kann es passieren, dass sie im ganzen Schlamassel der unwichtigen Informationen untergeht. Und wenn die Sekretärin einen schlechten Tag hat, was bei den nervigen Arbeitsbedingungen verständlicherweise häufiger der Fall ist, ist ein Chaos vorprogrammiert.

Denn wie es so ist: ist der Schreibtisch auf der Arbeit voll, dann erscheint einem die Arbeit umso schwerer. Ist der Schreibtisch dann nicht nur voll, sondern auch noch bescheuert sortiert, bricht eine Havarie aus.

Informationen, die so unwichtig sind, dass die meisten Leute sie nicht einmal bermerken, werden unverzüglich ans Gehirn vermittelt, dass sich dann damit auseinandersetzen darf. Und Informationen, die eine viele größere Bedeutung haben wandern in den ohnehin schon überfüllten Speicher.

Also ist nicht die Vergesslichkeit das eigentliche Symptom, sondern vielmehr die Reizüberflutung durch ein Büro, dessen Türen offen stehen. Die Vergesslichkeit, die Impulsivität, die hohe Emotionalität sind letztendlich nur die Früchte die diese Reizüberflutung trägt.

Natürlich kann man als "gesunder" Mensch sich denken, dass man auch vergesslich und manchmal etwas verpeilt ist. Der Unterschied besteht aber darin, dass ein Mensch mit einem intakten Büro vielleicht 2-3mal am Tag etwas vergisst. Das ist normal. Irren ist menschlich.

Aber ein Mensch mit ADS vergisst gut und gerne mal 20-30mal am Tag etwas. Und häufig sind es Sachen, die vergessen werden, die entweder in den alltäglichen Tagesablauf gehören (wie oft bin ich schon mit offenen Hosenstall rumgelaufen). Oder Dinge, die von wirklicher Bedeutung sind. Es ist nicht gerade vorteilhaft in einem Restaurant zu sitzen und zu merken, dass man vergessen hat vor dem Besuch noch Geld vom Konto abzuheben. Und noch unvorteilhafter ist es, wenn man beim Bezahlen mit der Karte gesagt bekommt, dass das Konto nicht mehr gedeckt ist.

ADS bringt also immense Nachteile mit sich. Und die Tatsache, das gerade ein ADS'ler in der Lage ist diese peinlichen Geschichten vor anderen lautstark so zu erzählen, dass sich die Mitmenschen darüber gut amüsieren können, macht diese Nachteile nicht leichter erträglich. Vielmehr ist es eine Strategie des ADS'lers mit diesem großen Manko zurecht zu kommen. Die Flucht nach vorn.

Womit wir bei den wunderbaren Vorteilen des ADS wären. Aber dazu später

 

23.12.09 16:00
 


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